Ratgeber "Keilriemen"
Industriebedarf

Wichtige Hinweise zur professionellen Anwendung von Keilriemen


Keilriemen dienen zur Kraftübertragung zwischen einer Antriebswelle und verschiedenen Aggregaten. Neben dem Automotiv-Bereich sind sie in der Landtechnik unter anderem bei Traktoren, Mähdreschern, Häckslern sowie bei Mähwerken, Pressen, Mulchern, Rasenmähern und vielen weiteren Maschinen im Einsatz. 

In diesem Ratgeber geht es sowohl um klassische (Standard) als auch rückenspannbare Keilriemen, wir analysieren Gründe für Verschleiß und bieten Tipps zu Auswahl, Einsatz, Montage und Wartung von Keilriemen.

Zwei grundsätzliche Bauarten von Keilriemen

Grundsätzlich wird bei Keilriemen zwischen klassischen (Standard-)Keilriemen und rückenspannbaren Keilriemen unterschieden. Der entscheidende Unterschied liegt in der Art der Spannbeanspruchung und damit auch im Einsatzbereich.

Klassische Keilriemen (Standard)

Seit vielen Jahrzehnten gelten klassische Standard-Keilriemen als bewährte und verlässliche Antriebslösung für viele Riemenantriebe und sind nach wie vor in vielen unterschiedlichen Riemenprofilen weit am Markt verbreitet.

Klassische Keilriemen sind für die Spannung auf der Innenseite ausgelegt. Das bedeutet, die Kraftübertragung erfolgt ausschließlich über die Flanken im Riemenscheibenprofil.

Eine Rückenspannung (Spannung über die Außenseite des Riemens) ist bei diesen Riemen nicht zulässig. Wird ein Standard-Keilriemen dennoch über die Rückseite gespannt, kommt es zu:

  • Erhöhter Wärmeentwicklung
  • Rascher Materialermüdung
  • Deutlich verkürzter Lebensdauer

Kurz gesagt: Der Riemen „verbrennt sich langsam selbst“.

👉 Daher gilt: Standard-Keilriemen niemals rückenspannen.

Rückenspannbare Keilriemen

Rückenspannbare Keilriemen sind konstruktiv so aufgebaut, dass sie auch über die Riemen-Rückseite belastet werden können. Die Herstellung dieser Riemen ist zwar deutlich teurer und komplexer, jedoch sind sie in der Anwendung viel flexibler einsetzbar. 

Was bedeutet rückenspannbar?
Der Riemen kann zusätzlich über Umlenkrollen oder Spannrollen auf seiner Außenseite geführt und gespannt werden, ohne Schaden zu nehmen.

Vorteile:

  • Geeignet für komplexe Antriebssysteme mit Umlenkrollen
  • Höhere Flexibilität bei der Konstruktion
  • Bessere Wärmebeständigkeit
  • In der Regel höhere Leistungsfähigkeit und längere Lebensdauer

 

 

Welche Variante wählen?

Bei der Auswahl eines Keilriemens ist entscheidend:

  • Wie wird der Riemen gespannt?
  • Gibt es Umlenk- oder Spannrollen auf der Rückseite?
  • Wie hoch ist die mechanische Belastung?

Grundsätzlich gilt:
👉 Rückenspannbare Keilriemen sind die modernere und leistungsstärkere Lösung.
Sie können auch in Anwendungen eingesetzt werden, bei denen keine Rückenspannung erforderlich ist.

👉 Standard-Keilriemen sind eine gute und bewährte Praxislösung für viele Anwendungen, aber nur dann sinnvoll, wenn sicher keine Rückenspannung auftritt.

Gängige Ursachen von Antriebsproblemen

Folgende Faktoren können die Laufleistung von Keilriemen beeinflussen:

  • Montagefehler
  • Negative Umgebungseinflüsse (z. B. Temperatur, Verschmutzung, etc.)
  • Falsche Antriebsauslegung
  • Fehler in Lagerung und Handhabung
  • Defekte Komponente(n)
  • Zu hohe oder zu niedrige Keilriemenspannung

Mehr als die Hälfte aller Antriebsprobleme werden durch falsche Wartung bzw. Montage verursacht. Aus diesem Grund sollte besonders auf diese Bereiche Wert gelegt werden.

Vermeidung von Verschleiß

Verschlissene Keilriemen können zur Überhitzung des Antriebs oder zum Totalausfall wichtiger Systeme führen. Um Verschleiß und dessen Folgen vorzubeugen, können einfache Maßnahmen ergriffen werden.

  • Die Spannung des Riemens muss regelmäßig kontrolliert werden.
  • Gegebenenfalls muss der Riemen nachgespannt oder etwas gelockert werden. Hierzu schaffen herstellerabhängige Nachspanntabellen zusätzlich zu den handelsüblichen Prüfmethoden Abhilfe. Die korrekte Vorspannkraft kann mithilfe von Vorspannmessgeräten angezeigt werden.
  • Im Falle eines Riementauschs müssen deutlich verschlissene Keilriemenscheiben und Spannrollen ebenfalls erneuert werden, da sich sonst die Lebensdauer des neuen Keilriemens deutlich verkürzt.
  • Keilriemen müssen immer satzweise erneuert werden und sollten dabei aus einer Produktionscharge stammen.
  • Lange Lagerzeiten sollten nach Möglichkeit vermieden werden, da das Material über Jahre trocken, spröde und porös werden kann.

 

Keilriemen richtig auswählen

Die Auswahl des richtigen Keilriemens und die korrekte Montage sind für die Maschinen-Funktionalität entscheidend.

Je nachdem, ob der Riemen für den Einsatz in der Industrie, Landtechnik oder im Gartenbereich vorgesehen ist, unterscheidet sich die Materialbeschaffenheit und der Aufbau. Bei Riemenantrieben mit Rückenspannrollen dürfen keine Standardriemen eingesetzt werden.

Im Garten- und Erntetechnikbereich werden fast ausschließlich rückenverstärkte Spezial-Keilriemen eingesetzt. Daher dürfen bei diesen Anwendungen keine normalen Industriekeilriemen verwendet werden, auch wenn diese von den Abmessungen her identisch scheinen.

Keilriementypen nach Anwendungsbereich

Industrie Garten und Kommunalbereich Mähdrescher
Klassische Keilriemen Kevlar-Keilriemen Verbundriemen
Hochleistungs-Schmalkeilriemen
(Standard oder rückenspannbar)
Rückenverstärkte Keilriemen Rückenverstärkte Keilriemen
Flankenoffene Keilriemen   Einfachkeilriemen
Flankenoffene Keilriemen formgezahnt
(Standard oder rückenspannbar)
  Spezialprofile
Keilrippenriemen  

Keilriemenlänge ermitteln

Welche Profilart die passende ist, ergibt sich durch die Herstellervorgabe der Maschine. Falls keine Vorgabe vorhanden ist, ist diese entweder durch Begutachtung des alten Keilriemens oder durch Ausmessen der Riemenscheiben zu ermitteln.

Die drei relevanten Längenbezeichnungen sind LI (Länge innen), LA (Länge außen) und LW (Wirklänge). Die eigentliche Längenermittlung erfolgt je nach Profilart individuell (siehe Tabelle), alternativ kann für die Feststellung der richtigen Länge auf Keilriemenmessgeräte zurückgegriffen werden.

Längenbezeichnung Profil
LI 8, Z/10; A/13; B/17; 20; C 22; 25
LA AVX 10; AVX 13
LW (Ld/Lp) BX 17, SPZ/9,5; SPA/12,5; SPB/16,3; SPC/22; XPZ/10; XPA/13; XPB/16,3
Klassische Keilriemen

Industrie und Landtechnik
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SP.. - Baureihe

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XP.. - Baureihe

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Flankenoffene und formgezahnte Keilriemen

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Kevlar- und rückenverstärkte Keilriemen

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Mähdrescher-Keilriemen

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Wartung

Um die Lebensdauer von Keilriemen zu maximieren, ist in regelmäßigen Abständen eine einfache Kontrolle und Wartung durchzuführen.

  • Spannungsprüfung des Keilriemens: Kontrollieren und gegebenenfalls nachspannen.
  • Optische Zustandsprüfung des Keilriemens: Wenn kein starker Verschleiß erkennbar ist, kann ein Keilriemenspray die Lebensdauer verlängern, indem er den Riemen geschmeidig hält und Quietschen und Rutschen vermeidet.
  • Visuelle und akustische Prüfung auf Vibrationen und Geräusche: Die Prüfung erfolgt im laufenden Zustand, im Idealfall läuft der Antrieb ruhig.
  • Kontrolle der Schutzvorrichtung auf Schmutz, Abrieb und Schäden: Diese erfolgt, da Schmutzanhäufungen eine isolierende Wirkung haben können, welche zu Ausfällen führt.
  • Visuelle Prüfung der Schutzvorrichtung: Es wird eine Sichtkontrolle durchgeführt, um festzustellen, ob die Schutzvorrichtung intakt ist.

Keilriemen-Zubehör im PRILLINGER-Webshop

PRILLINGER ist kompetenter Anbieter für Keilriemen der Qualitätsmarken ContiTech, DaycoOptibelt und PIX Germany. Darüber hinaus führen wir ein umfangreiches Zubehörprogramm an Keilriemenscheiben, Taper Lock-Büchsen, Vorspannmessgeräten, Keilriemensprays sowie Riemenwachs etc. im Sortiment.

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