Ratgeber "Hydraulische Bremsen"
Hydraulik

System- und Funktionsbeschreibung von hydraulischen Ein-Leitungs-Bremsanlagen


Neben Druckluftbremsanlagen sind hydraulische Bremssysteme in der Landtechnik weiterhin verbreitet. Hydraulische Ein-Leitungs-Bremsanlagen können bei älteren, bestandsgeschützten Fahrzeugen weiterhin nachgerüstet bzw. instand gehalten werden, für Neufahrzeuge sind diese jedoch aufgrund der geltenden gesetzlichen Vorgaben nicht mehr zulässig. PRILLINGER bietet als Partner des Landtechnik-Fachhandels entsprechende Ersatzteile für hydraulische Bremsanlagen zur Wartung, Reparatur und Instandhaltung bestehender Systeme an.

Im folgenden Beitrag stellen wir die rechtlichen Grundlagen sowie die Eigenschaften und das erforderliche Zubehör dieses Bremssystems vor.

Funktionsweise von hydraulischen Ein-Leitungs-Bremsanlagen

Bei einer hydraulischen Ein-Leitungs-Bremsanlage wird die Bremskraftübertragung zwischen Zugfahrzeug und Anhänger über eine einzige Hydraulikleitung realisiert. Beim Bremsvorgang wird Druck in der Leitung aufgebaut, der direkt auf die Bremszylinder des Anhängers wirkt und so die Bremsung einleitet.

Das System ist einfach aufgebaut, robust und kommt in der landwirtschaftlichen Mobilhydraulik zur Anwendung. Es eignet sich vor allem für langsamere Fahrgeschwindigkeiten und Anwendungen mit geringeren bis mittleren Bremsanforderungen.

Hersteller im Überblick

Slanzi

Gegründet 1996 in Novellara (Reggio Emilia), entwickelt und produziert das Unternehmen hydraulische Komponenten, Ventile und Bremssysteme für die Landtechnik.

Ausgehend von kundenspezifischen Lösungen hat sich das Unternehmen zu einem spezialisierten Anbieter moderner Hydraulik- und Bremssysteme entwickelt. Qualität, Innovation und partnerschaftliche Zusammenarbeit prägen bis heute die Unternehmensphilosophie.

Safim

Gegründet 1977 als Familienunternehmen, ist das Unternehmen über vier Jahrzehnte kontinuierlich gewachsen und gehört seit 2019 zur DexKo Global Group.

Mit starker Expertise in Bremskomponenten und kundenspezifischen Lösungen entwickelt es sich heute zum Systemanbieter für elektrohydraulische Bremsfunktionen. Die Technologien kommen weltweit in anspruchsvollen Anwendungen in Landwirtschaft, Bau, Logistik, Bergbau und weiteren Industrien zum Einsatz.

Welches Hydrauliksystem ist in der Zugmaschine verbaut?


OC-Hydrauliksystem

Bei einem OpenCenter-Hydrauliksystem handelt es sich um Hydraulikventile mit drucklosem Umlauf in der Mittelstellung, die durch eine Konstantpumpe (z. B. Zahnradpumpe) versorgt werden. Diese Schaltung findet häufig in der Mobilhydraulik bei kleinen bis mittleren Traktoren Verwendung.

Hierzu werden mehrere Wegeventile hintereinandergeschaltet und der Ölstrom muss durch alle Wegeventile durchgeführt werden. Ein Druckbegrenzungsventil schützt dabei die Bauteile und Leitungen vor unzulässig hohen Drücken.

Mehr Details finden Sie im Wissenswertes-Beitrag "OpenCenter-Hydrauliksysteme (=OC) mit BW05 Hydraulikventilen steuern".


LS-Hydrauliksystem

Bei einem Load-Sensing (LS)-Hydrauliksystem handelt es sich um eine Hydrauliksteuerung mit bedarfsgeregelter Fördermenge, bei der eine verstellbare Pumpe den Ölstrom und Druck kontinuierlich an den aktuellen Leistungsbedarf der Verbraucher anpasst. Über eine sogenannte LS-Leitung wird der jeweils höchste Lastdruck aus dem Ventilsystem an die Pumpe zurückgemeldet.

Mehrere Wegeventile können parallel betrieben werden, wobei die Pumpe nur so viel Öl liefert, wie tatsächlich benötigt wird. Dadurch werden Energieverluste und Wärmeentwicklung deutlich reduziert. Ein Druckbegrenzungsventil schützt auch hier das System vor unzulässig hohen Drücken und sorgt für Betriebssicherheit.

Mehr Details finden Sie im Wissenswertes-Beitrag "LoadSensing-Hydrauliksysteme (=LS) mit BW05 Hydraulikventilen steuern".

Welches Grundventil wird benötigt?

Die Auswahl des passenden Grundventils richtet sich nach dem Hydrauliksystem der Zugmaschine:

  • Bei Traktoren mit Load-Sensing-Hydraulik (LS) ist ein LS-Grundventil zu verwenden. Dieses ermöglicht die bedarfsgerechte Steuerung der Fördermenge und die Rückmeldung des Lastdrucks an die Hydraulikpumpe.
  • Bei Traktoren mit OpenCenter-Hydraulik (OC) ist ein OC-Grundventil einzusetzen. Dieses ist für Hydrauliksysteme mit Konstantpumpe und drucklosem Umlauf in Neutralstellung ausgelegt.

Für eine einwandfreie Funktion des Hydrauliksystems müssen Grundventil und Hydrauliksystem der Zugmaschine aufeinander abgestimmt sein. Welches System in Ihrem Traktor verbaut ist, können Sie meist in der Betriebsanleitung nachlesen.

Welche Ansteuerung der Betriebsbremse hat die Zugmaschine?


Mechanische Betätigung:

Die Bremse wird rein mechanisch über Gestänge, Seile oder Hebel betätigt. Diese Ausführung findet man heutzutage nur mehr bei älteren Fahrzeugtypen und einfachen Systemen.

Betätigung mit Mineralöl/LHM:

Die Betriebsbremse wird hydraulisch über Mineralöl/LHM (Liquide Hydraulique Minerale) angesteuert. Dieses System wird häufig in landwirtschaftlichen Zugmaschinen eingesetzt und arbeitet mit einem hydraulischen Bremsdruckkreis auf Mineralölbasis. Es ist wichtig, dass ausschließlich für Mineralöl geeignete Komponenten verwendet werden, da Dichtungen und Materialien auf dieses Medium abgestimmt sein müssen.

Betätigung mit Bremsflüssigkeit:

Die Ansteuerung erfolgt hydraulisch über synthetische Bremsflüssigkeit (z. B. DOT3 / DOT4). DOT4 ist dabei die heute am häufigsten verwendete Bremsflüssigkeit in modernen Fahrzeugen. Entscheidend ist, dass die verwendete Flüssigkeit eindeutig spezifiziert ist, da sie nicht mit Mineralöl-Systemen kompatibel ist und somit die Dichtungen zerstört werden können.

Die entsprechenden Angaben zur Bremsflüssigkeit finden sich in der Regel in der Betriebsanleitung, in der Nähe des Bremspedals/Hauptbremszylinders oder direkt am Bremsflüssigkeitsbehälter (Deckel).

⚠️ Achtung: Bremsflüssigkeit ist ätzend und giftig! Sie sollte regelmäßig (meist alle 2 Jahre) gewechselt werden.
Empfehlung: In der Steuerleitung Y sollte grundsätzlich ein Wechselventil verbaut werden.

Der Einbau eines Wechselventils in der Steuerleitung Y einer hydraulischen Bremsanlage ist erforderlich, um zwei unabhängige Steuerleitungen, beispielsweise bei unbeabsichtigt aktivierter Lenkbremse, zusammenzuführen. Dabei wird stets der aktive bzw. höhere Druck an das Bremsgrundventil weitergeleitet. Dadurch wird sichergestellt, dass die Anhängerbremse zuverlässig betätigt wird.

         

Auswahl des Steuerkolbendurchmessers im Vorsteuerteil

Der Steuerkolbendurchmesser im Vorsteuerteil ist entscheidend für die Voreilung des Anhängers und somit für das Bremsverhalten des Gesamtsystems.

Da Hersteller nur eine begrenzte Auswahl an Varianten je Marke und Bauserie anbieten, kann es in der Praxis erforderlich sein, die Abstimmung im Nachhinein anzupassen. Eine solche nachträgliche Anpassung ist jedoch nur bei bestimmten Produkten (Safim) möglich.

Infos siehe Fluidtechnik-Katalog auf Seite 673.

Vorsteuerschieber Marke Typen
⌀ 14 Deutz
Steyr
John Deere
New Holland
Fendt
Case
Lindner
DX3.60/4.17/3.50/3.90/4.51/4.31/6.16/6.06/
Serie 80, 900, 9000 ausgenommem mit L.S Hydraulik
3350-3650, 2650, 2850, 6900-6910, 7600-7800
TS90-115
280P, 250V
Maxxum110, 120, 135
⌀ 16 Deutz
Steyr
John Deere
Case
Agrotron 80, 85, 90, 100, 105
948/958 Fast-Bremse
5515, 8000
CX70-CX90
⌀ 18 John Deere
Fiat
Fendt
Serie 6000, 6010 bis 6800, 6810
100.90, 110.90
270P
⌀ 20 Deutz
Same
Lamborghini
DX 3.10/6.61/6.11/6.31/6.08/6.38

 

  

Offener Kreislauf OC Ventile

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SB7 Bosch System

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